Offener Brief an alle Verbandsmitglieder

Offener Brief an alle Verbandsmitglieder

Liebe Verbandsmitglieder,

 

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ich habe lange und viel darüber nachgedacht, ob ich diesen Brief schreiben soll. Aber aufgrund der aufgetretenen Stimmung im Verband halte ich es für notwendig die Situation aus meiner Sicht zu beschreiben und möchte an dieser Stelle als Präsident des PVRLP eine offizielle Stellungnahme dazu abgeben:
 
Nach dem Beschluss des Rechts- und Disziplinarausschuss im Verfahren PVRLP ./. Landau sind viele Stimmen im Verband laut geworden, die Zweifel an der Richtigkeit dieser Entscheidung kundtun.


Auch wenn es sich für einige bei dem Beschluss zur Aufhebung der Spielbewertung gefühlt um eine ungerechte Behandlung des Ligaleiters handelt, diese ist mit Sicherheit weder beabsichtigt noch in irgendeiner Form gewünscht.
Es ist jedoch sicherlich auch keine gerechte Behandlung gegenüber den Mitgliedern des Rechts- und Disziplinarausschusses, die hier ehrenamtlich ihre Freizeit einsetzen, um nach dem uns derzeit vorliegenden Regelwerk nach bestem Wissen und Gewissen ihre Entscheidungen zu treffen, wenn sich diese nun einem Spießrutenlauf ausgesetzt sehen.
 
Diese Entscheidungen werden nicht willkürlich getroffen. Die Mitglieder des Rechts- und Disziplinarausschuss sind uns allen bekannt und wurden von den Mehrheiten der Mitglieder unserer Landesversammlung in Ihre Ämter gewählt.
Diese Arbeit wird scheinbar nicht von allen Mitgliedern unseres Verbandes wertgeschätzt. Es werden nun alle möglichen Argumente gesucht, um den Fehler im Entschluss zu finden und es wird eine Stimmung erzeugt, die niemandem im Verband dienlich ist.
 
Da ich als juristischer Laie mir die Entscheidung auch nicht so einfach erklären konnte, habe ich den Vorsitzenden des Rechts- und Disziplinarausschuss Uwe Müller angerufen und gefragt, wie der Beschluss zustande gekommen sei und ob er mir das erklären könne.
 
Diese Situation muss man sich mal vor Augen führen. Ein Prozessbeteiligter (nämlich ich, stellvertretend für den PVRLP) erhält in einem Verfahren ein negatives Urteil (hier Beschluss) und lässt sich dies vom Richter (hier Uwe Müller als Vorsitzender vom Rechts- und Disziplinarausschuss) erklären.
Sicher könnt ihr nachvollziehen, kein Richter der Welt würde sich die Mühe machen, über die Urteilsbegründung hinaus einem unterlegenen Prozessteilnehmer das Urteil zu erklären.
Und mit Sicherheit hat auch Uwe Müller etwas Besseres zu tun, als mir im Nachgang die rechtliche Situation nochmal auseinander zu legen. Es wäre auch keineswegs seine Aufgabe gewesen.
 
Das Telefonat hat 3 Stunden gedauert. Ich habe ihn gefragt, hätte man es von links betrachtet nicht auch über rechts sehen, oder aus dem anderen Blickwinkel eine andere Entscheidung treffen können. Er hat sich tatsächlich die Mühe gemacht mir die juristische Betrachtungsweise zu erklären und zu begründen. Und infolge dieser Argumentation wurde mir klar, dass unsere Satzung und Ligaordnung nach dem derzeitigen Stand gar keine andere Entscheidung zulässt.
 
Um das nochmal zu verdeutlichen, nicht die Entscheidung ist fragwürdig, die Bestimmungen in unserem derzeitigen Regelwerk geben nicht mehr her.
 
Wir haben all die Jahre keine Probleme mit dem Regelwerk gehabt, weil vielleicht nie einer genau nachgesehen hat, ob die Bestimmungen auch tatsächlich das wiedergeben, was wir als Verband eigentlich wollen. Die ursprüngliche Satzung wurde nicht von Juristen verfasst und hatte lediglich das Ziel, das Boulespielen auf Landesebene zu organisieren. Wenn jetzt Juristen sich der Sache annehmen müssen werden selbstverständlich Fehler im Detail entdeckt. Es wird immer Schwachstellen geben, die sind in unseren Gesetzen und auch in allen anderen Regelwerken zu finden. Und wenn man gerade einen Fehler findet, der einem zum Vorteil gereicht, ist das nicht legitim?
Das liegt aber nicht an am Richter. Der ist gehalten bestehende Gesetze zur Anwendung zu bringen. Und ihn dann für das Ergebnis verantwortlich zu machen ist sicher nicht der richtige Ansatz.
 
Wenn es mit dem Gerechtigkeitsempfinden einzelner Verbandsmitglieder nicht vereinbar ist, wie die Entscheidung des Rechts- und Disziplinarausschuss ausgefallen ist, kann ich das durchaus nachvollziehen. Aber es ist dann die Aufgabe sich konstruktiv einzubringen und die Fehler in der Satzung und den Ordnungen aufzuarbeiten. Opposition ist einfach, doch nicht zwingend konstruktiv.
 
Alle Verbandsmitglieder haben über die Landesversammlung die Möglichkeit Veränderungen herbeizuführen. Verbandsarbeit wird nicht durch Rücktritte, Verbandsaustritte oder die Flucht in Nachbarverbände gestaltet. Veränderungen werden selten durch Passivität herbeigeführt, hier gilt es sich einzubringen.
Und wir als amtierender Vorstand sind auf jeden Fall offen für Ideen und jede Art der Zusammenarbeit.
 
In diesem Sinne hoffe ich, dass es möglich ist die Entscheidung des Rechts- und Disziplinarausschusses zu akzeptieren. Wenn wir zukünftig andere Entscheidungen erwarten, dann müssen die Voraussetzungen dafür geschaffen werden.

 

Mit sportlichen Grüßen

 

Jürgen Müllenbach

Präsident des PVRLP